Kälbchen für drei Monate mit ihren Müttern gemeinsam auf der Weide, Hühner ganzjährig im Freien, mit gemütlichen wohnwagenähnlichen, transportablen Ställen – so stellt man sich ein glückliches Nutztierleben vor. Ist es aber auch realistisch? Das fragten die Steller Grünen in einem Grünen Klönschnack. Zwei Referentinnen berichteten aus ihrer eigenen Erfahrung.
Frau Ulrike Fehling zieht auf ihrer Käserei in Drage ihre Kälbchen gemeinsam mit den Müttern auf. Sie dürfen bis zum Alter von drei Monaten bei den Müttern bleiben. „Bis dahin sind sie schon ganz schöne Brocken geworden!“ lacht Frau Fehling.
Britta Benecke hat auf dem Hof in Scharmbeck die Freilandhaltung für Hühner mit den beweglichen Ställen eingeführt. Anschaulich und mit viel Bildmaterial informierte sie über das Leben mit den Hühnern. Besonders deren Intelligenz und Wehrhaftigkeit haben sie beeindruckt. Drei oder vier Hähne nehmen es ohne Weiteres mit einem Habicht auf, erzählte sie.
Beide Frauen berichten, dass es zwar knapp, aber wirtschaftlich möglich ist, dermaßen tierfreundlich zu wirtschaften. Und es macht außerdem viel Freude, das war deutlich zu spüren.
Allerdings gab es in der anschließenden Diskussion auch kritische Stimmen. Können sich nur Besserverdienende Produkte von glücklichen Tieren leisten? Ist es nicht vielmehr eine Frage der eigenen Prioritäten? Zeigt die Tendenz zu Billigprodukten nicht, wie sehr wir den Bezug zur Nahrungsmittelproduktion verloren haben? Gutes Essen muss nicht teuer sein, wenn wir weniger Fleisch essen, regional – am besten direkt am Hof – kaufen und wieder mehr selber kochen.
Ist den Verbrauchern das Tierwohl so wichtig, dass sie mehr bezahlen und den extra Weg zum Hofladen in Kauf nehmen? Wir entscheiden durch unser Einkaufsverhalten, denn die bessere Tierhaltung muss für die Betriebe auskömmlich sein.
-Helga Schenk-